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Defensive Architektur folgt nicht nur einer kriminalpräventiven Logik, sondern als Anti-Obdachlosen-Architektur einer (bewusst) feindlichen Gestaltung des öffentlichen Raums, des ÖPNV oder von Bauwerken, um Aktivitäten, Aufenthalt und abweichendes Verhalten vornehmlich von jenen Menschen zu verhindern, die durch Marginalisierung bereits an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden. Besonders betroffen sind klassische Adressaten Sozialer Arbeit, wie Menschen ohne Obdach oder mit einer Suchterkrankung, die mit derzeit gültigen Normalitätsmodellen brechen. Kunstvoll gestaltete Sitzgelegenheiten, wie Sitzkiesel oder Findlinge dünken nach städtebaulicher Modernisierung, verhindern aber genauso die Nutzung als (Nacht)-Quartier, wie ästhetisches Parkmobiliar mit verkürzten, unebenen SitzflächenArmlehnen und Zwischenstützen oder gar fehlende Sitzgelegenheiten, etwa unter (regendurchlässigen) Überdachungen in Fußgängerzonen oder des ÖPNV. Kalte Baustoffe wie Stahl oder Beton sind zwar robuster gegen die Witterung, aber auch unbequemer. Sprinkler, Musik, Licht, versperrte Nischen unter Brücken, Metalldornen auf regengeschützten Flächen oder Mülleimer, die das Sammeln von Pfandflaschen verhindern, können weitere subtile Instrumente sein. Auch durch Rückbauten und Privatisierungen wird öffentlicher Raum nicht nur feindlich, sondern verliert den Augenschein an die vormalige inklusive Nutzung, wovon nicht nur die genannten Randgruppen, sondern auch Jugendliche, alte Menschen oder Menschen mit Behinderung betroffen sind. Defensive Architektur führt mit ihrem exkludierenden, etikettierenden, gentrifizierenden und repressiven Charakter lediglich zu Verdrängungseffekten von Armut, ohne soziale Missstände oder soziale Ungleichheit zu beheben. Sie ist somit zugleich Spiegelbild und Instrument gesellschaftlicher Herrschaft, doch öffentlicher Raum gehört der Allgemeinheit. Gibt es defensive Architektur in deiner Stadt? Durch das IFG besitzt jede Person das Recht auf Informationen aus Politik und Verwaltung, wofür sich die Internetplattform FragDenStaat.de anbietet. 


Defensive Architektur in Ludwigshafen und Mannheim, zuletzt aktualisiert am 01.11.2022: Mannheim-Schwetzingerstadt Moltkestraße

_________________________________________________________________________________________________________________ Defensive Architektur andernorts, zuletzt aktualisiert am 26.10.2022: Weinheim-Altstadt


Fachjournalistische Beiträge: Raumstruktur und Kriminalität


Städtebauliche Kriminalprävention in Ludwigshafen

Können Räume und Architektur Kriminalität begünstigen oder sie sogar verhindern? Die sich seit 1993 in Deutschland etablierende städtebauliche Kriminalprävention soll auf kommunaler Ebene Tatgelegenheiten und Kriminalitätsrisiken vermindern, sowie das subjektive Sicherheitsempfinden der Bevölkerung und die soziale Kontrolle erhöhen. Ein Blick nach Ludwigshafen mit einem Vergleich der drei Wohnsiedlungen: Hohenzollernhöfe, Ebertsiedlung und Bayreuther Straße.

Kernpunkte: Theorie der sozialen Desorganisation | Broken-Windows-Theorie | Defensible-Space-Theorie | CPTED-Leitlinien | formelle und informelle soziale Kontrolle | Soziale Stadt | Kriminalstatistik | feindliche Architektur | Verdrängungseffekte


 Über die Aussagekraft von Kriminalstatistiken

Kriminalstatistiken sind wirksame politische Instrumente, um öffentliche Räume als Kriminalitätsschwerpunkte zu definieren und repressive Polizeistrategien oder Videoüberwachung zu legitimieren. Was gilt es bei der Interpretation von Kriminalstatistiken zu berücksichtigten? 

Kernpunkte: polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) | Sichere Stadt | Kriminalisierung | Kriminalprävention | Etikettierungsansatz | Racial Profiling | Hellfeld und Dunkelfeld | Ausländerkriminalität


Kann Videoüberwachung Kriminalität verhindern?

Die Videoüberwachung und die repressive Polizeistrategie am Berliner Platz in Ludwigshafen sind Instrumente, die zwar bei der Verdrängung unangenehmer Randgruppen helfen oder unerwünschtes Verhalten unterdrücken, aber nicht unbedingt einer kriminalpräventiven Logik folgen.

Kernpunkte: Videoüberwachung | Null-Toleranz-Ansatz | Gefahrenabwehrverordnung | sozialer Brennpunkt | Verdrängungseffekte